AK Sinti/Roma und Kirchen

in Baden-Württemberg

Erbach - Gerichtsurteil wird erwartet

Erbach-Dellmensingen bei Ulm.  25.05.2019
Einladung zur Pressekonferenz am 23.09.2020
Pressemitteilung

Gerichtsurteil wegen des antiziganistisch mtivierten Mordversuchs und versuchter Brandstiftung wird erwartet

Hiermit laden wir Sie herzlich zu einem Pressestatement nach der Urteilsverkündung am 23.09.20 vor dem Kornhaus Ulm (Kornhausplatz 1, 89073 Ulm) ein. Nach 16 Verhandlungstagen wird die Kammer zu einem Urteil kommen. 

Prozessbeginn: 9:30 Uhr

Statements: im Anschluss an das Urteil - voraussichtlich ab 10 Uhr

Statements 

Dr. Mehmet Daimagüler, Vertreter der Nebenklage 

Er vertrat die Interessen der Mutter und ihres zum Zeitpunkt der Tat neun Monate alten Babys, vor deren Unterkunft die brennende Wachsfackel geworfen wurde. Die Mutter ließ vor Gericht verkünden, dass die Angeklagten nicht ins Gefängnis gehen sollten und betonte, „anders als die Angeklagten selbst hat sie die Fähigkeit zu Liebe, Nachsicht und zum Verzeihen“. 

Daniel Strauß, Vorstandsvorsitzender des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg 

Der Landesverband der Sinti und Roma Baden-Württemberg war an allen Verhandlungstagen anwesend. Er vertritt die Interessen der Familien, die vertrieben wurden. Diese möchten nicht namentlich genannt werden und bitten dies zu berücksichtigen. Der Verband hat sich seit Beginn der Verhandlung mit den politischen und religiösen Vertretern von Erbach-Dellmensingen und Erbach auseinandergesetzt. Ein Treffen für einen Runden Tisch zusammen mit dem Antisemitismusbeauftragten des Landes Dr. Michael Blume steht noch aus. Im Zuge des Prozesses setzte sich der Verband für die Eröffnung einer Beratungsstelle für Sinti und Roma in Ulm ein. Diese wurde am 22.09.20 Auf dem Kreuz 28 in Ulm zusammen mit dem OB Gunter Czisch und der Ministerialdirigentin Prof. Dr. Birgit Locher-Finke, Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg, eröffnet. Auch möchte der Verband weiter aktiv werden und sich für politische Bildungsarbeit explizit in ländlicheren Regionen einsetzen. 

Romeo Franz, MdEP 

Romeo Franz setzte sich bereits im Frühjahr dieses Jahres mit dem antiziganistischen Vorfall gegen französische Bürger*innen auseinander. Er besuchte am Jahrestag nach dem Fackelwurf am 24.05.2020 einen „Spaziergang gegen Rassismus“ in Erbach-Dellmensingen, an dem ca. 300 Personen teilnahmen. Antiziganismus ist ein gesamteuropäisches Problem. Romeo Franz betonte damals, dass man kein Rassist sein muss, um ein Antiziganist zu sein, und wies damit auf den Antiziganismus in der Mitte der Gesellschaft hin. Mehrere Zeugen und Angeklagte hatten ausgesagt, dass die Menschen mit Romani-Hintergrund das Gesprächsthema Nummer eins im Dorf gewesen seien. 

In der Leipziger Autoritarismus Studie 2020 wird der Fall in Erbach-Dellmensingen wissenschaftlich analysiert und ein Bild auf den Antiziganismus geworfen, der tief in der Mitte der Gesellschaft verwurzelt ist. Die Studie zeigt auch, dass es kein Einzelfall ist, wenn sich junge Erwachsene durch eine abweisende Stimmung im Recht sehen und Worte in die Tat umsetzen. Die Studie wird voraussichtlich im Dezember 2020 veröffentlicht. 

Hintergrundinformationen 

Am 24.05.2019 fuhr ein dunkler Kleinwagen an dem Wiesengelände in Erbach-Dellmensingen in der Nähe von Ulm vorbei, wo mehrere Familien, Roma-Angehörige, mit ihrem Wohnwagen standen. Die Insassen des Kleinwagens riefen antiziganistische Parolen und warfen eine brennende Fackel in Richtung des Wohnwagens einer Familie. Diese verfehlte ihr Ziel nur knapp. Die Ulmer Polizei nahm fünf Tatverdächtige vorläufig fest. Gegen zwei der Beschuldigten bestand bereits ein Haftbefehl. Ab Juli 2019 saßen vier der fünf Angeklagten für zehn Monate in Untersuchungshaft. Der fünfte Angeklagte war zum Tatzeitpunkt minderjährig und saß für viereinhalb Wochen in Untersuchungshaft. Bei den Tätern handelt es sich um eine gewaltbereite Gruppierung, die der Fußball-Szene angehört. Alle fünf Angeklagten gaben vor Gericht an, dass sie die 31 Personen aus Erbach-Dellmensingen am 24.5.2019 vertreiben wollten, was ihnen auch gelang. Der Staatsanwalt forderte Haftstrafen für vier der fünf Angeklagten wegen versuchten Mordes und versuchter Brandstiftung nach dem Jugendstrafrecht. 

Weitere Pressemitteilungen des VDSR-BW zu dem Fall finden Sie hier: 

– 22.05.2020  

– 20.05.2020  

– 09.05.2020  

– 04.12.2019:  

– 10.07.2019  

– 11.06.2019  


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