AK Sinti/Roma und Kirchen

in Baden-Württemberg

Erbach - Pressekonferenz am 11.05.2020 in Ulm

Erbach-Dellmensingen bei Ulm.  25.05.2019
Übermittelt vom Verband Deutscher Sinti und Roma in BW (Mannheim)
9. Mai 2020


Pressekonferenz/Pressekundgebung: 
am 11. Mai 2020 von 8:00 bis 8:25 Uhr vor dem Kornhaus Ulm, Kornhausplatz 1, 89073 Ulm


Es werden sprechen:
Daniel Strauß, Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg und Vertreter der betroffenen Familie
„Der zunehmende Antiziganismus in Deutschland und in Europa bereitet uns sehr große Sorgen. Antiziganismus führt zu Gewalt. Wir sind sehr froh, dass es der Familie soweit gut geht. Sie wird vor Gericht durch Dr. Mehmet Daimagüler vertreten, der als Nebenklagevertreter in zahlreichen Prozessen, wie z.B. im ‚NSU-Verfahren‘, Opfer politisch motivierter Gewalt vertreten hat. Wir erwarten, dass im Verfahren die mögliche politische Tatmotivation untersucht wird. Wir werden die Bürgerrechte unserer Mitglieder verteidigen, den Prozess wissenschaftlich begleiten und über antiziganistische Strukturen aufklären.“

• Heval Demirdöğen, Vorstandsmitglied im Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt; Leiter der Leuchtlinie-Beratungsstelle für Betroffene von rechter Gewalt in Baden-Württemberg
„Antiziganismus, Rassismus oder Antisemitismus sind kein Einzelfall. In wenigen Tagen, am 15. Mai, wird am Ulmer Landesgericht ein weiterer rassistischer Fall verhandelt. Im vergangenen Jahr sind die Fallzahlen von Hasskriminalität in Baden-Württemberg um 19 Prozent gestiegen. Wir müssen die Öffentlichkeit genauso wie die Behörden für Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus sensibilisieren.“

• Susanne Jakubowski, Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg
„Ich hoffe sehr, dass das Gericht zu einem angemessen Urteil finden wird. Ein Urteil, dass alle fünf Täter mit der vollen Härte des Gesetzes konfrontieren sollte. Hass gegen vermeintlich ‚Fremde‘ und Gleichgültigkeit gegenüber diesem Hass hat zum Zivilisationsbruch des letzten Jahrhunderts geführt, an dessen Ende vor 75 Jahren Zigtausende ermordeter Menschen mit Handicap, Hunderttausende ermordeter Sinti und Roma und Millionen ermordeter Juden standen. Wann hört dieser Hass auf? Wann diese Gleichgültigkeit?“

Das Gericht hat insgesamt 12 Verhandlungstage angesetzt. Das Gerichtsurteil soll voraussichtlich am 15. Juli 2020 gefällt werden.

Im Anhang folgen Hintergrundinformationen. Ihre Ansprechpartnerin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Chana Dischereit – Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Hintergrundinformationen
'Am 24. Mai 2019 fuhr ein dunkler Kleinwagen an einem Wiesengelände in Erbach-Dellmensingen in der Nähe von Ulm vorbei, wo mehrere Familien, Roma-Angehörige, mit ihren Wohnwagen standen. Die Insassen des Kleinwagens sollen antiziganistische Parolen gerufen haben und warfen eine brennende Fackel in Richtung des Wohnwagens einer Familie. Diese verfehlte ihr Ziel nur knapp. Die Ulmer Polizei nahm zunächst acht Tatverdächtige vorläufig fest. Gegen zwei der Beschuldigten bestand bereits ein Haftbefehl. Seit Juli 2019 sitzen fünf Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Bei den Tätern handelt es sich um eine Gruppierung, die der Fußball-Szene angehört.

2019 zählten die Behörden 78 antiziganistische Straftaten in Deutschland.
2018 zählten sie 68 Straftaten.
Fast alle Delikte waren rechts motiviert.
Antiziganistische Straftaten werden seit 2017 in der Statistik zur „Politisch Motivierten Kriminalität“ erfasst.

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