AK Sinti/Roma und Kirchen

in Baden-Württemberg

Gisela Köllner

Buch: Von Antiziganismus bis Zigeunermärchen

Michael Krausnick / Daniel Strauß:

Von Antiziganismus bis Zigeunermärchen
Informationen zu Sinti und Roma in Deutschland

gk 2009 antiziganismus 1000Landesverband Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg
Mannheim 2008
ISBN 978-3837057294143 S., 12,90 Euro/23,90 sFr

Rund 70 000 deutsche Sinti und Roma leben heute unter uns. Nur wenige in der Mehrheitsbevölkerung wissen heute um die Geschichte und Kultur dieser oft unerkannt unter uns lebenden Mitbürgerinnen und Mitbürger, während Diskriminierung in unterschiedlicher Form nach wie vor leider weit verbreitet ist. Michail Krausnick, der als Schriftsteller in diversen Sachbüchern und historischen Romanen Sinti und Roma vorgestellt hat, sowie Daniel Strauß, der Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg, versuchen mit ihrem neuen Handbuch, diesem Informationsdefizit entgegen zu wirken. Mit Begriffen von A bis Z widmet es sich unter anderem der Nazizeit: Die Sinti und Roma, die diese Zeit erlitten haben, haben fast alle aufgrund des Rassenwahns Angehörige verloren, Ausgrenzung und Zwangsarbeit erlebt. Nach 1945 blieben Entschädigungen und die Rückgabe enteigneter Güter meist aus und manche haben versucht, ihre Zugehörigkeit zu verheimlichen. Heute halten sich in der Mehrheitsbevölkerung hartnäckig Vorurteile über Sinti und Roma, denen das Buch durch Aufklärung entgegentritt. Empfehlenswert ist dieses kleine Handbuch für Menschen, die sich erstmals mit Themen rund um Sinti und Roma beschäftigen möchten, aber auch Leser und Leserinnen mit breiter Vorkenntnis finden noch viele interessante und aktuelle Informationen.

Gisela Köllner

Köllner, Gisela: Von Antiziganismus bis Zigeunermärchen. Rezension in: darum 3 / 2009, S. 32

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„Internationale Vernetzung ist notwendig“

Eine Delegation des Buraku-Befreiungszentrums der Vereinigten Kirche Christi in Japan auf Besuchsreise in Südwestdeutschland

Die Delegation aus Japan besuchte gemeinsam mit Aktiven des AK Sinti/Roma und Kirchen in Baden-Württemberg die KZ-Gedenkstätte Mosbach-Neckarelz. (Foto: EMS/Köllner)
"Diskriminierung gibt es in allen Ländern. Die aktuelle Situation von Buraku in Japan und Sinti und Roma in Deutschland ist ähnlich. Wir können viel voneinander lernen und uns gegenseitig unterstützen. Ein vermehrter Austausch mit Aktiven der Dalit in Indien wäre für alle Seiten sehr hilfreich." So fasst Makoto Higashitani, Vorsitzender des Zentrumsbeirats und Delegationsleiter, die Ergebnisse nach acht Tagen intensiven Austausches zusammen. Gemeinsam mit Pfarrer Takuya Okamoto sowie Miki Tanimoto traf er unter anderen Vertreter des Landesverbands und des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Bischöfin Pushpalalitha der Diözese Nandyal der Kirche von Südindien, Aktive des AK Sinti/Roma und Kirchen in Baden-Württemberg sowie Pfarrerin Ulrike Schmidt-Hesse und Lutz Drescher von der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS). Auch fanden Besuche in den Gedenkstätten Mosbach-Neckarelz, Dachau und eine sehr eindrückliche Führung durch das Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg statt.
Seit den 90er Jahren besteht ein regelmäßiger Austausch zwischen dem Buraku-Befreiungszentrum in Osaka und der EMS. Dieser führte 1999 zur Gründung des AK Sinti/Roma und Kirchen in Baden-Württemberg. Landesverband und Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma haben ausdrücklich der EMS für ihr Engagement gedankt und streben eine noch intensivere, länderübergreifende Kooperation an. Bischöfin Pushpalalitha bestätigt, dass auch in Indien für aktive Dalit diese internationale Vernetzung unerlässlich ist.

Pfarrer Okamoto sprach aus, was alle Beteiligten aus ihrer Arbeit bestätigen konnten: "Die Mehrheitsgesellschaft ist gefragt: Erst wenn sie sich ihren Vorurteilen stellt und beginnt, an deren Überwindung zu arbeiten, haben unsere Aktivitäten Aussicht auf Erfolg."

Köllner, Gisela: Internationale Vernetzung ist notwendig. Eine Delegation des Buraku-Befreiungszentrums der Vereinigten Kirche Christi in Japan auf Besuchsreise in Südwestdeutschland. www.ems-online.org am 26.9.2014

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Buch: Gypsi. Die Geschichte einer großen Sinti-Familie

Dotschy Reinhardt:
Gypsy. Die Geschichte einer großen Sinti-Familie

gk 2010 gypsy 800Scherz in der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt / M. 2008
297 Seiten, ISBN 978-3-502-10190-1 (gebunden), 18,90 Euro / 33,80 sFr
978-3-596-17979-4 (Paperback), 9,95 Euro

„Ich kann ehrlich darüber schreiben, wie es einer Sinti-Frau im Deutschland von heute ergeht.“ So charakterisiert die Autorin selbst ihr erstes Buch. Und: „Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, den hartnäckigen Vorurteilen gegenüber meinem Volk etwas entgegen zu setzen“.

Dotschy Reinhardt, 1975 in Ravensburg geboren, ist wie viele Mitglieder ihrer Familie Musikerin, und Musiktitel geben nicht nur allen Kapiteln eine Überschrift, sondern schwingen zwischen allen Beschreibungen und Aussagen mit. Dabei ist Musik nie das eigentliche Thema. Sprachlich sehr flüssig werden Begebenheiten und Lebensumstände von Mitgliedern der Familie Reinhardt erzählt: vom Urgroßvater, der im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft und dann das KZ Mauthausen überlebt hat über die gesellschaftlich zurückgezogen lebende Großmutter bis hin zu Mitgliedern der dritten Generation seit dem Völkermord der Nazizeit.

Sehr persönlich ist diese Einführung von Dotschy Reinhardt in die Geschichte der Sinti in Deutschland, in erlebte Diskriminierung, in kulturelle Aspekte, in Familientraditionen und in die Lebensvorstellungen einiger junger Sinto und Sintezas heute. Dieses Buch ist geschrieben für die Mehrheitsgesellschaft und macht neugierig, mehr zu erfahren an Details zum Lebensalltag der Minderheit. Und es regt an, über unser Zusammenleben im gemeinsamen Heimatland Deutschland nachzudenken.

Gisela Köllner

Köllner, Gisela: Dotschy Reinhardt: Gipsy. Rezension in: darum 1 / 2010, S. 32

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