AK Sinti/Roma und Kirchen

in Baden-Württemberg

In Memoriam

Annette Lehmann

Annette Lehmann geb. Steger   17.09.1972 - 22.01.2020

Todesanzeige

Annette Lehmann Todesanzeoige Annette Lehmann Foto
Nachruf:  
Annette Lehmann Nachruf  

Annette Lehmann Bestattung Unbenannt 1


 

Dr. Heinz Kapp

Dr. Heinz Kapp, Singen

Todesanzeige

Heinz Kapp Todesanzeige 

Traueransprache (hier als pdf-Datei zum herunterladen)
mit Dank an Pfarrerin Fink-Fauser.

Liebe Frau Kapp, liebe Angehörige, liebe Angehörige, liebe Freunde und Wegbegleiter von Heinz Kapp! Auf leisen Sohlen kam der Tod zu Heinz Kapp. Keiner hatte damit gerechnet. Vor wenigen Wochen konnte er - gemeinsam mit den Mitgliedern der Stolpersteininitiative - den Zivilcouragepreis der Stadt Singen entgegennehmen. Für den Frühsommer hatte er bereits einen Familienurlaub in Südtirol geplant. Wie immer war sein Alltag von den verschiedensten Aktivitäten geprägt. In der Nacht zum 28.Dezember ist er dann leise und unmerklich vom Schlaf in den Tod hinübergeglitten. Es braucht Zeit, bis man es richtig begreifen kann. Nicht mehr die selbstverständlichen Gespräche, die gemeinsamen Unternehmungen, die vertraute Nähe. Nicht mehr seine tiefgründigen und kritischen Analysen der aktuellen politischen Entwicklungen. Heinz Kapp fehlt – in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, in Singen, in der Region. Gleichzeitig ist es tröstlich, dass er in Frieden, zuhause, in den eigenen vier Wänden sterben durfte. Beim Rückblick auf sein Leben möchte ich mich von einem Wort aus dem 34. Psalm (Ps 34,15) leiten lassen. Es war die Jahreslosung des vergangenen Jahres, und sie nimmt in Blick, was Heinz Kapp immer ein zentrales Herzensanliegen war. Sie heißt: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“

Seine Kindheit und Jugend war vom Krieg überschattet. Auch in seiner Familie hinterließ er tiefe Spuren. Geboren wurde Heinz Kapp am 20. November 1936 in Stuttgart-Fellbach. Er hatte eine Schwester. An die ersten Jahre seiner Kindheit erinnerte er sich sehr gerne. Sein Vater Oskar war ein Fußballstar, auch die Mutter war Sportlerin. Als Heinz jedoch 7 Jahre alt war, 1943, fiel sein Vater im Krieg. Einige Jahre später, 1949, starb auch noch seine Mutter an einem Herzklappenfehler. Heinz wurde Vollwaise, er kam zu seinem Onkel, der sehr streng war. Bis zur 8. Klasse besuchte er die Schule in Stuttgart, dann nahm ihn sein Onkel gegen seinen Willen von der Schule herunter, er musste eine Lehre als Elektrokaufmann absolvieren. Nach Beendigung der Lehre schrieb er sich eigenständig in Mannheim zum Studium der Sozialarbeit ein; in Ludwigshafen nahm er sich ein kleines Zimmer. Hier war schon seine starke Willenskraft spürbar, mit großer Energie und Leidenschaft verfolgte er seine Ziele. Er beendete das Studium mit einem sehr guten Abschluss. Während dieser Zeit lernte er seine Frau Karin geb. Frank kennen. Sie sangen miteinander im Singkreis in der Gemeinde von Karins Vater. Sie merkten beide recht schnell, dass sie im anderen die große Liebe ihres Lebens gefunden hatten. 1959 heirateten sie in Stuttgart Stammheim.

1960 kam die Tochter Susanne, 1963 der Sohn Martin zur Welt. Als Martin zur Welt kam, war die Familie bereits nach Kassel gezogen. Hier wurde Heinz Kapp eine Stelle als Stadtjugendpfleger angeboten. Nachdem er einige Jahre dort und auf dem Jugendhof Dörnberg gearbeitet hatte, beschloss er, sich noch einmal beruflich weiterzuentwickeln: auf dem zweiten Bildungsweg machte er das Abitur und studierte Pädagogik in Frankfurt. Parallel zu Studium leitete er das größte Frankfurter Jugendzentrum, was in den wilden 70gern in Frankfurt eine große Herausforderung war. Aber er ließ sich nicht beirren, meisterte die Herausforderungen des Berufs ebenso wie das Studium. Nach seinem Abschluss übernahm er als Pädagoge gemeinsam mit zwei Pfarrern das Gruppenamt in Mannheim-Vogelstang. Von 1974 -83 blieb die Familie In Mannheim: Heinz Kapp hatte seinen Schwerpunkt bei den sozialen Themen und in der Jugendarbeit, in der Jugendbildung. Aber durch seine Prädikantenausbildung war er auch immer wieder bei Gottesdiensten und Beerdigungen aktiv. „Suche dem Frieden und jage ihm nach“. Als Pädagoge vermittelte er zu dieser Zeit auch bereits viel friedenspolitische Bildung. Er tat das unter anderem durch das Angebot von Diskussionsabenden, Seminaren, einer Selbsthilfegruppe für sozial benachteiligte Menschen, und auf vielen Ski- und Wanderfreizeiten in Südtirol. Neben den sportlichen Aktivitäten gab es auf diesen Freizeiten regelmäßig Abende mit inhaltlichen Themen und politischen Diskussionen. Für Heinz Kapp stand die gesellschaftspolitische Dimension des Glaubens an vorderster Stelle, und er hat mit seinen Angeboten viele Jugendliche und junge Erwachsene geprägt. Ein für ihn wichtiger Vordenker war in diesem Zusammenhang Christoph Blumhardt und mit ihm das Gedankengut der religiösen Sozialisten. Er sah die Christen als Protestleute, die sich Gewalt, Tod und Ungerechtigkeit hier in dieser Welt entgegenzustellen haben. 1983 wechselte er dann von der Mannheimer Gemeinde an den Bodensee. Er übernahm jeweils eine halbe Stelle für die evangelische Erwachsenenbildung und für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt im Kirchenbezirk Konstanz. 1996 trat er mit 60 Jahren in den beruflichen Ruhestand. Es war für ihn der Start in eine Phase neuer Entdeckungen, neuer Abenteuer. Er begann nämlich, in Konstanz Geschichte und Soziologie zu studiere. Über diese Zeit schreibt er selbst: „Nach einem 45- jährigen Berufsleben gehörte das Studium an der Universität Konstanz zu meinen schönsten Lebensabschnitten“. Die Dissertation, die er kurz vor seinem 70. Geburtstag abschloss, war die Krönung seiner wissenschaftlichen Arbeit. Sie beschäftigt sich mit Menschen jüdischer Herkunft, die sich 1848/49 an den revolutionären Ereignissen in Europa beteiligten, gemeinsam mit Badener, Berlinern, Franzosen und vielen anderen. Heinz Kapp zeigte auf, welchen Beitrag die jüdischen Revolutionäre für die Entwicklung der Demokratie leisteten. Auch hier die intensive Auseinandersetzung mit dem Hintergrund politischer Entwicklungen.

„Suche den Frieden und jage ihm nach“.

Wenn ich etwas suche, braucht das meine volle Aufmerksamkeit, und es braucht genaues Hinsehen. Auch beim Frieden ist das so. Er ist leider kein Dauergast, der immer selbstverständlich mit am Tisch sitzt. Heinz Kapp hat das in seiner persönlichen Geschichte erlebt, und er hat es auch in seinen theoretischen Gedanken, Vorträgen, Reden immer wieder sichtbar gemacht. Nie gab er sich mit vordergründigen Antworten, mit Scheinlösungen zufrieden. Sein kritischer Geist fragte tiefer, genauer nach. Er hatte ein feines Gespür für Diskriminierung, für rassistisches Denken. In diesem Zusammenhang war bei unterschiedlichsten Projekten aktiv: beim Bündnis Kirche und Arbeitswelt, besonders intensiv sein Einsatz für Arbeitslose; beim Bodenseekirchentag und der kirchlichen Männerarbeit; bei der Gruppe: „Keine Waffen am Bodensee“ und natürlich ganz engagiert bei der Stolpersteininitiative. Darüber werden wir nachher in einem Nachruf noch Genaueres hören. Er recherchierte zu unzähligen Biographien, die Opfer der Nazidiktatur wurden. Auch in der Bonhoeffergemeinde war er über viele Jahrzehnte gemeinsam mit anderen aktiv, auch dazu werden wir nachher noch einen Nachruf hören. In der letzten Zeit beschäftigte er sich verstärkt mit dem Schicksal der Sinti und Roma, die von den Nazis in die KZ s gebracht und ermordet wurden, auch hier in Singen. Er knüpfte Kontakte, gründete das ökumenische Bündnis für Menschenrechte. Daneben schrieb er noch an einem sogenannten Friedens ABC. „Friedenspolitische Einmischung“– diesen Titel gab er seinen Ausführungen. Die meisten Buchstaben hatte er bereits fertig.

Sein Leben war vom Engagement für Frieden und Gerechtigkeit geprägt. Aber daneben gab es auch andere Bereiche, die ihm wichtig waren, die in seinem Leben einen wichtigen Raum einnahmen. Allem voran ist hier seine Familie zu nennen. Mit seiner Frau verband ihn eine lange, liebevolle Beziehung. Im Sommer konnten sie das Fest der diamantenen Hochzeit feiern! Sie waren füreinander da, wussten, dass sie sich in jeder Hinsicht aufeinander verlassen konnten. Auch zu seinen Kindern Susanne und Martin, ebenso zu den Schwiegerkindern Christiane und Heinz hatte er eine enge, vertrauensvolle Beziehung. Heinz kannte er schon aus seiner Zeit auf der Vogelstang, und er schätzte es sehr, mit ihm ab und zu auf Wandertour im Hegau unterwegs zu sein und über Gott und die Welt zu sprechen! Seine vier Enkel waren ihm alle ans Herz gewachsen: Jakob und Elias, Jana und Daniel. Mit großem Interesse begleitete er ihre Entwicklung, freute sich über Besuche und gemeinsame Unternehmungen. Am 26.Dezember, zwei Tage vor seinem Tod, war er noch zu Besuch in Konstanz gewesen! Er war ein unkonventioneller Vater, ein unkonventioneller Opa, mit dem man einiges auf die Beine stellen konnte!

Darüber hinaus spielten sportliche Aktivitäten eine wichtige Rolle. Wandern war immer eine seiner großen Leidenschaften gewesen. Er war Mitglied im Alpenverein, machte auch klettertouren, und im Winter war er oft mit seinen Skiern auf Tour. Die legendären Wander- und Skifreizeiten in Südtirol ließen sein Herz höherschlagen. Südtirol war durch diese Freizeiten so etwas wie ein Sehnsuchtsort für ihn geworden. Im kommenden Frühsommer hatten Sie als Großfamilie einen gemeinsamen Familienurlaub geplant, Heinz Kapp schaute voller Vorfreude auf diesen Urlaub. Außerdem war er im TUS Gottmadingen. Jedes Jahr machte er dort sein Sportabzeichen. Im Vorfeld verabredete er sich dafür mit Freunden und Sportkameraden zum Training. Mit 80 kauften sie sich noch ein E-Bike! Heinz Kapp verstand es auch, das Leben zu genießen. Er hat gerne gefeiert, gerne gegessen und getrunken, mit anderen eine frohe Zeit gehabt. Bei den Geburtstagen der Kinder war er meist sehr kreativ, schrieb Gedichte. Er las auch gerne Gedichte, las überhaupt gerne und viel. Sicher werden in Ihnen/ in Euch immer wieder Erinnerungen lebendig werden, wenn Sie an ihn denken. 83 Jahre, seine Zeit. Wenige Tage vor seinem Tod sagte er noch zu seiner Frau, wie gut sie es doch hätten, wie dankbar er für sein Leben sei. Es ist schön, wenn man so voller Dankbarkeit zurückblicken, Abschied nehmen kann! „Suche den Frieden und jage ihm nach“. Der göttliche Frieden umfasst unser Leben und unser Sterben. Wenn unsere Zeit zu Ende ist, ist Gottes Geschichte mit uns noch nicht zu Ende. Er nimmt uns hinein in den grenzenlosen Raum seiner Liebe. Hier lässt er uns endgültig satt werden - an Gerechtigkeit, an Freude, an Liebe. In diesem Vertrauen können wir Abschied nehmen, können Heinz Kapp in Gottes Frieden entlassen.

Amen

Lied: Freunde dass der Mandelzweig






 

Nachruf auf Egon Schweiger

Der Verband Deutscher Sinti und Roma in Mannheim schickt uns den NACHRUF ÜBER EGON SCHWEIGER vom 15. Mai 2018. Wir drucken ihn hier mit Erlaubnis des VDSR nach. Der AK verdankt Egon Schweiger sehr viel, besonders in der Anfangszeit nach der Gründung 1999. Wir trauern mit dem Landesverband.

   Egon Schweiger verstarb am 4.5.2018 in Berlin. Er war ein langjähriger Mitarbeiter und Freund des VDSR BW. Anfang der 90er Jahre arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der konzeptionellen Neuausrichtung des Landesverbands. Diese Neuausrichtung beinhaltete die Fokussierung auf das Europäische Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten. Egon Schweiger machte sich zum Ziel die Minderheit zu fördern in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur und die soziale Beratung. Eine gleichberechtigte Teilhabe lag ihm in seinem Engagement für den Verband und die Minderheit immer am Herzen. Seine Ideen wurden weitergetragen und führten schließlich 2013 zu dem Abschluss eines Staatsvertrags mit dem Land Baden-Württemberg. Dem ersten Staatsvertrag für die Minderheit, der den Schutz und die Förderung rechtlich sichert.
Sein Engagement für unsere Minderheit, seine Integrität, Kenntnisse und Freundschaft wurden sehr geschätzt. Im Gedächtnis der Sinti und Roma BW wird er einen bleibenden Ehrenplatz innehaben.
Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg