AK Sinti/Roma und Kirchen

in Baden-Württemberg

Andere Veranstaltungen

Rolle der Polizei bei der Verfolgung von Sinti

Dienstag, den 26. März 2019 
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma 

Um 19 Uhr findet ein Vortrag von Udo Grausam zur Rolle der Polizei bei der Verfolgung von Sinti aus Nordostwürttemberg im Nationalsozialismus satt. In diesem Rahmen wird dem Dokumentationszentrum auch ein historisches Holzschild aus dem Jahre 1932 für die Sammlung übergeben, das das „Aufstellen von Wagen aller Art der durchreisenden Bevölkerung“ verbietet.

Udo Grausam recherchiert seit Jahren als Kulturwissenschaftler und Regionalhistoriker über Menschen, die von den Nazis als „Zigeuner“ und „Zigeunermischlinge“ in die Konzentrationslager verbracht wurden. Drei Aufsätze veröffentlicht er aktuell dazu in der 10-teiligen, regional ausgerichteten Buchreihe „Täter Helfer Trittbrettfahrer“ (THT) zu Tätern und Helfershelfern im Nationalsozialismus in Württemberg. Udo Grausam wird in seinem Vortrag die Ergebnisse seiner Recherchen vorstellen, wobei er vor allem über die Biographien von Anton Dorsch, Otto Abt und Martin Nauck sprechen wird.

THT-Herausgeber Dr. Wolfgang Proske wird zuvor die neu erschienenen Bände 8 und 9 präsentieren. Außerdem übereignet er dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma ein kürzlich aufgefundenes, 1932 vom Bürgermeisteramt der Gemeinde Gerstetten (Ostalb) erlassenes Verbotsschild, wonach „das Aufstellen von Wagen aller Art der durchreisenden Bevölkerung hier verboten“ sei. Udo Grausam wird in seinem Vortrag auch die geschichtlichen Hintergründe dieses Holzschilds nachzeichnen.
Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie auch auf der Website des Dokumentationszentrums: www.sintiundroma.de/zentrum/veranstaltungen/veranstaltungsdetails/termin/2019/03/26/event/tx_cal_phpicalendar/die-polizei-bei-der-verfolgung-von-sinti-aus-nordostwuerttemberg-im-nationalsozialimus.html
und bei Facebook: https://www.facebook.com/events/272643870321193/

 

 


 

„Wir fühlen uns nicht so fremd“

„Wir fühlen uns nicht so fremd“
Ausstellung im Rathaus gibt Einblicke in das Leben von Sinti-Frauen in der Nachkriegszeit / Familien Eckstein und Fischer zeigen Fotos.   Von Heidrun Helwig
Quelle:  Gießener Anzeiger, 25.02.2019
. „Wie aus der ,Zigeunerin‘ eine ‚Sintezza‘ wurde – Frauengeschichten aus der Nachkriegszeit“ wird am Montag, 25. Februar, um 17 Uhr im Rathaus am Berliner Platz eröffnet. Zur Vernissage kommt die deutsche Jazz-Musikerin und Autorin Dotschy Reinhardt, die zur Dynastie des weltbekannten Gitarristen Django Reinhardt gehört.
. Erarbeitet wurde die Schau im Rahmen von „Stadt-Mit-Plan“, einem Inklusionsprojekt der Lebenshilfe Gießen, der Aidshilfe Gießen und des Büros für Frauen und Gleichberechtigung der Stadt rund um den Internationalen Frauentag.
. Die Ausstellung, die vom 26. Februar bis 8. März von 8 bis 18 Uhr im Atrium zu sehen ist, wird durch die Gießener Stiftung „Anstoß“ gefördert und ist Auftakt zu einer vierteiligen Reihe mit dem Titel „Gießener Frauen zeigen Gesicht“.
. Öffentliche Führungen werden am 27. Februar, 6. und 8. März jeweils um 17 Uhr angeboten. Termine für Schulklassen können bei Anja Sandtner („Stadt-Mit-Plan“) unter der Telefonnummer 0641/9311294-10 vereinbart werden.
. Vom 12. bis 23. März wird „Wie aus der ‚Zigeunerin‘ eine ‚Sintezza‘ wurde“ dann jeweils von 9 bis 18 Uhr in den Räumen der Lebenshilfe in der Walltorstraße 3 gezeigt.

 

 

 

2017: Vom Vorurteil zur Zusammenarbeit

Der Flyer

Vom Vorurteil zur Zusammenarbeit - hin zu einer besseren Kooperation von Sinti, Roma und Kirchen

Antiziganismus im Protestantismus, auch daran muss erinnert werden im zu Ende gehenden Jahr des Reformationsjubiläums. Denn es ist eine bittere Tatsache, dass Martin Luther die Feindschaft gegen Sinti und Roma theologisch rechtfertigte und dass viele Protestanten ihm darin folgten.

Auch mit der vermeintlich menschenfreundlichen „Zigeunermission“ des 19. Jahrhunderts teilten und verstärkten die Kirchen das diskriminierende Bild der Mehrheitsgesellschaft. Denn zum Missionieren gab es keinen Anlass. Sinti und Roma waren längst Christen. Aber zum Arbeiten, so meinte man, müssten sie erzogen werden. Zur Verfolgung der Sinti und Roma durch das nationalsozialistische Deutschland schwiegen die Kirchen oder leisteten gar „Amtshilfe“.

Auch nach dem NS-Völkermord bezogen die Kirchen lange keine Position gegen antiziganistische Vorurteile und die diskriminierende Ausgrenzung der Sinti und Roma. Seit einigen Jahren nun versuchen Akteure aus Initiativen von Sinti und Roma, aus Kirchen und Zivilgesellschaft hier einen Neuanfang - weg vom Vorurteil, hin zu einer guten Zusammenarbeit. Diese Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll soll Akteure zusammenbringen und nach neuen Wegen für ein gutes Miteinander suchen. Alle Interessierte an dieser Arbeit und dem gemeinsamen Engagement von Sinti und Roma und nicht-Roma für ein gutes Miteinander in dieser Gesellschaft sind herzlich eingeladen zu dieser Vernetzungstagung.

Verantwortlich sind:
Dr. Andreas Hoffmann-Richter
Dr. Christian Staffa
Wolfgang Mayer-Ernst, Evangelische Akademie Bad Boll